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Izidora | LETHE
trace_less

Fre 26.09.25 - Mit 01.07.26
Löwenbräukunst

Artistic Intervention trace_less by Izidora | LETHE

Die konzeptionelle Ausstellung trace_less von Izidora I LETHE erstreckt sich über das gesamte Löwenbräukunst 270: von der Eingangshalle über die Wände und Fenster, bis hinauf in das dritte Obergeschoss des Treppenhauses. LETHE bespielt das Areal mit mehreren ineinandergreifenden Elementen: leuchtend orangefarbenen Pigmentspuren, Monotypien auf silbernem Papier, einer punktuell erklingenden Klangkomposition, sowie spiegelndem Text auf der Glasfront.

Mit trace_less schafft LETHE eine eigene Choreografie, in der verschiedene (Ge-)Schichten von Materialien in präzise getakteter Abfolge zusammenspielen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht das sinnliche Eröffnen der oft undurchdringlich scheinenden (spiegel-)glatten Konventionen von Kunst/Räumen und das Verschieben der Aufmerksamkeit auf das Entfernen oder auf das Hinterlassen von Spuren.

Die orangefarbenen “Wandglühen” (GLOWS) markieren die Wände. Die Arbeiter:innen, die sich täglich dem Putzen des Areals widmen, hinterlassen ihr “Glühen”. Der “inneren Choreografie” ihres Ausatmens folgend, hinterlassen sie die Farbe an den Wänden, dort, wo sich Spuren von Schmutz sammeln. - Jede:r “Performer:in” in anderen Nuancen, gemischt mit einem Hauch von Erdpigment. 

18 Monotypien (trace_less (amour) (1213) (di), etc) bilden eine weitere Schicht der Intervention und sind in standardisierte Wechselrahmen eingefasst. Die Abtragungen der vor Ort gefundener „sanfter Vandalismen“ in Form von eingekratzten Botschaften, Tags und Spuren wurden auf das sich spiegelnde Papier übertragen. Das entschliffene Hochglanzmaterial wird im Druckverfahren mit einer Schicht Deckweiss überzogen. Wie in der Monotypie nach dem ersten Abzug oft ein “Ghost” bleibt, ein blasser, kaum greifbarer Nachdruck, verweisen diese Oberflächen auf das Fortleben der Spur im Verschwinden. Dieses Weiss zitiert das Wandweiss und erinnert zugleich an Reinigungsmittel, als wäre die Oberfläche leicht angeätzt.

Jede volle Stunde ertönt die siebenminütige Komposition disunified ensemble, die dissonante und arrhythmische Tempi miteinander vereint. Das Stück, das die ganze Nacht hindurch gespielt wird, ist für alle, die das Gebäude besuchen, darin arbeiten oder es passieren, hörbar.

In kursiv-spiegelnder Schrift sind auf der Fensterfront zwei Texte und schwebende “(glows)” zu lesen. Eines der Gedichte fasst die materiellen Elemente der Arbeit wie ein Rezept zusammen. Die Betrachtenden sehen sich dabei (partiell) selbst in der verspiegelten Folienschrift.

Formale und kalte Materie steht im Dialog mit flüchtigen Spuren, Gesten der temporären Verewigung, und einer sinnlichen Erfahrung der Durchgangszonen. In einer Zeit scharfer Kategorisierungen und teils kaum erträglicher gesellschaftlicher Zerwürfnisse schafft LETHE ein Spannungsfeld, in dem Raum für tiefes Ausatmen entsteht - eine poetische Geste mit politischer Resonanz.

Die Ausstellung ist von der Edition VFO für das Löwenbräukunst organisiert und von der Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung unterstützt.

Kuratiert von David Khalat.

Installationsansichten "trace_less", Izidora | LETHE 2025. Fotos: Bernhard Strauss